Die Ruanda Story - Teil 2

Seit 2021 beziehen wir Arabica Kaffeebohnen der Varietät Bourbon vom Kiwu See in Ruanda. Alles begann mit einem Anruf von Immaculee Steinlechner.

Die Ruanda Story - Teil 2

Seit 2021 beziehen wir Arabica Kaffeebohnen der Varietät Bourbon vom Kiwu See in Ruanda. Alles begann mit einem Anruf von Immaculee Steinlechner.

Sie ist in Ruanda geboren und hat schon vor sehr vielen Jahren in Tirol ihre Heimat gefunden. Immaculee hat familiäre Wurzeln im Kaffeeanbau und belebt diese Stränge wieder seit ca. 4 Jahren. Neben dem Aufbau eines Kaffeeimportgeschäftes wachsen auch schon die Kaffeesträucher der eigenen Plantage.
Die Hauptsaison der Kaffeeernte ist von März bis Juli mit dem Höhepunkt April, Juni. Da Ruanda sehr nahe am Äquator liegt, gibt es sogar eine Nebensaison von Oktober bis Dezember, welcher aber nur einen kleinen Mengenanteil ausmacht. In den meisten Anbauregionen werden Bourbon-Selektionen (Jackson, Mbirizi, French Mission und BM71/BM139) verwendet. Die Bourbon Linie von Kaffeekirschen ist neben der Typica Linie eine sehr alte, kultivierte Kaffee-Varietät.
Unsere Bourbon Bohnen stammen von der Kooperative Bwishaza. Die Kaffeebohnen werden dort als „Natural“ aufbereitet. Das heißt, sie werden in der Kirsche von ca. 65% auf 11,5% Feuchtigkeit getrocknet. Das klingt trivial, ist jedoch eine hohe Kunst. Denn das Zellsystem in der Bohne muss für eine gute Qualität intakt bleiben. Bei zu schneller oder zu heißer Trocknung in der Sonne wird das Zellsystem zerstört, bei zu langsamer Trocknung kann es zu Verderbs-Prozessen im Fruchtfleisch der Kaffeekirschen kommen. Gleichzeitig müssen die Agraringenieure sehr genau kontrollieren, welche Qualitäten an Kaffeekirschen von den Bauern angeliefert werden. Da die Infrastruktur am Kiwu See nicht besonders gut ausgebaut ist, kommen viele Mengen mit Booten oder über kleinere Pfade zur Washing Station. Die Kaffeekirschen sind also schon unterschiedlich lange mit dem hohen Feuchtigkeitsgehalt unterwegs. Aus diesem heterogenen Sammelsurium muss die Washing Station einen gute und stabile Bohnenqualität hervorbringen. Der Natural Aufbereitungsprozess ist für die Region eher untypisch, da der „washed process“ hier sehr gängig ist. Die Bwishaza Washing station ist eine der wenigen, welche „Natural“-Prozess in der Region durchführt.
Bis Immaculee die Kaffeebohnen ihrer eigenen Plantage präsentieren kann, hat sie noch alle Hände voll zu tun, den aufbereiten Rohkaffee der Bwishaza Washing Station nach Europa zu importieren. Die ersten Schritte vor ein paar Jahren waren mir zahllosen schlaflosen Nächten gesäumt. Die unzähligen Anekdoten von handschriftlichen „Exportpapieren“ für den Import in den EU-Raum, von den vergessenen Wiegenoten, umgekippten Containern und falsch verpackten Säcken haben wahrscheinlich mal in einem eigenen Buch Platz. In Ruanda werden alle Kaffees, welche das Land verlassen, nochmals von der staatlichen Aufsicht NAEB in der Hauptstadt Kigali geprüft und verkostet. Erst dann darf der Kaffee in einen Container geladen werden. Je nach den Fahrplänen der Reedereien werden die Container zum Hafen von Mombasa in Kenia oder sogar nach Daressalam in Tansania gebracht. Von dort aus geht es mit dem Containerschiff nach Hamburg. Dort angekommen muss der Container durch den Zoll. Danach werden die Kaffeesäcke eingelagert oder direkt nach Salzburg gebracht.
Neben der Faszination für dieses Land und seinen Menschen, verfolgen wir eine bestimmte Strategie in dieser Region. Zum einen deuten Studien darauf hin, dass hier die Niederschlagsmengen und die Bodenfruchtbarkeit trotz des Klimawandels im Vergleich zu anderen Kaffeeanbaugebieten noch länger stabil bleiben wird. Zum anderen existiert in Ruanda eine Gesellschaft, die etwas erreichen will und sich von der Zukunft Besseres erwartet. Das Land ist üppig, der Altersdurchschnitt ist jung und das Wirtschaftswachstum und die Sicherheitslage ist im Vergleich zu anderen Regionen in Afrika beneidenswert. Es geht hier also nicht um „unterstützen“ – es geht uns um einen guten Umgang zwischen Unternehmen und einem Begegnen auf Augenhöhe. Wir suchen Partner, welche ein ähnliches Verständnis von Qualität und organisch wachsender Kooperation haben.
Zu guter Letzt sind es die Kaffeebohnen, welche überzeugen. Das komplexe Profil aus Aromen, Grundgeschmacksarten und Textur macht sowohl Röstungen für Espresso-basierte als auch für Filter-basierte Zubereitungen möglich. Gleichzeitig haben die Bohnen aus Ruanda auch schon einen festen Platz in unseren Selektionen gefunden. Sie spenden neben der Süße und Rote-Beeren-Aromatik, auch einen gut ausgefüllten Körper in die Tasse, welche sie zu starken „Topings“ in den Selektionen macht.